Die Bürgerbewegung Finanzwende sieht Anzeichen dafür, dass der politische Einfluss der Finanzlobby in Deutschland an Wirkung verliert. Transparenzinstrumente wie das Lobbyregister machten Ressourcen, Netzwerke und Argumentationsmuster der Branche sichtbar und verschöben damit die Machtverhältnisse zugunsten von Verbraucherschutz und Öffentlichkeit, erklärten Vertreter der Organisation.
Nach Angaben von Finanzwende sind im Lobbyregister allein für die zehn größten Konzerne und Verbände der Finanzbranche 456 Lobbyistinnen und Lobbyisten namentlich aufgeführt. Rechnerisch kämen damit rund zehn Lobbyisten auf jedes Mitglied des Finanzausschusses des Deutscher Bundestag, sagte Finanzwende-Vorstand Daniel Mittler. Trotz dieser zahlenmäßigen Überlegenheit setze sich die Finanzbranche politisch nicht in jedem Fall durch.
Als Beispiel nennt Finanzwende die seit Januar 2025 geltende gesetzliche Wartefrist bei Restschuldversicherungen. Kredite dürfen seither nicht mehr unmittelbar mit solchen Versicherungen kombiniert werden. Laut Lobbyregister hätten sich 25 Konzerne, Verbände und Agenturen – darunter große Versicherer, Autobanken und Branchenvertretungen – für eine Abschaffung der Regelung eingesetzt. Dem gegenüber habe jedoch nur eine vergleichsweise kleine Zahl zivilgesellschaftlicher Organisationen gestanden, ohne dass sich die Lobbyinteressen durchsetzen konnten.
Der frühere Bundestagsabgeordnete Kevin Kühnert, heute Bereichsleiter bei Finanzwende, sprach von einer permanenten „Dauerbeschallung“ durch Lobbyakteure, der Politik und Parlamentsmitarbeiter täglich ausgesetzt seien. Lobbyismus sei zwar Teil demokratischer Prozesse, entscheidend sei jedoch ein ausgewogenes Verhältnis der vertretenen Interessen. Für 2026 kündigte Finanzwende an, den öffentlichen Druck auf die Finanzlobby weiter erhöhen zu wollen.